Hausgeburt in Deutschland — Voraussetzungen, Ablauf & Geburtsplan

Eine Hausgeburt ist für viele Frauen mit unkompliziertem Schwangerschaftsverlauf eine bewusste, selbstbestimmte Entscheidung. Hier findest du, was die deutschen Leitlinien dazu sagen, was du regeln musst und wie du deine Wünsche in einem persönlichen Geburtsplan festhältst.

Was sagt die Leitlinie zur Hausgeburt?

Die S3-Leitlinie „Vaginale Geburt am Termin" (AWMF-Register-Nr. 015-083) der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) erkennt die außerklinische Geburt — also Hausgeburt und Geburt im Geburtshaus — ausdrücklich als sichere Option für Schwangere mit niedrigem Risiko an. Voraussetzung sind eine unkomplizierte Schwangerschaft, eine qualifizierte Hebamme und ein klar definiertes Verlegungskonzept für den Fall, dass eine klinische Versorgung notwendig wird.

Die Daten des QUAG e.V. (Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe) zeigen seit Jahren, dass geplante außerklinische Geburten bei Low-Risk-Schwangerschaften vergleichbar gute Ergebnisse für Mutter und Kind liefern wie klinische Geburten. Etwa 1,5–2 % aller Geburten in Deutschland finden außerklinisch statt.

Voraussetzungen für eine Hausgeburt

Damit eine Hausgeburt sicher möglich ist, sollten folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Einlingsschwangerschaft in Schädellage
  • Geburtstermin zwischen 37+0 und 41+6 SSW
  • Keine schwerwiegenden Vorerkrankungen oder Schwangerschaftskomplikationen
  • Kein vorausgegangener Kaiserschnitt mit erhöhtem Rupturrisiko
  • BMI im akzeptablen Bereich (laut S3-Leitlinie 015-081 „Adipositas in der Schwangerschaft")
  • Erreichbarkeit einer geburtshilflichen Klinik innerhalb angemessener Zeit
  • Eine qualifizierte, beleghebammenversorgte Begleitung

Hebamme für die Hausgeburt finden

In Deutschland herrscht regional ein deutlicher Hebammenmangel — besonders bei Beleghebammen für außerklinische Geburten. Beginne deine Suche idealerweise im ersten Trimester. Anlaufstellen sind der Deutsche Hebammenverband (DHV), regionale Hebammenlisten (z. B. hebammensuche.de) und Geburtshäuser in deiner Nähe. Kläre früh, ob die Hebamme noch Kapazität für deinen errechneten Termin hat und welche Rufbereitschaftspauschale anfällt.

Was gehört in einen Geburtsplan für die Hausgeburt?

Auch zu Hause lohnt sich ein schriftlicher Geburtsplan — er hilft dir, deine Wünsche zu sortieren, und gibt Hebamme und Partner:in eine klare Orientierung. Folgende Punkte solltest du laut der S3-Leitlinie 015-083 und der DGHWi-Empfehlungen berücksichtigen:

Wichtige Themen für deinen Hausgeburts-Geburtsplan

  • Geburtsumgebung: Welcher Raum? Licht, Musik, Wassergeburt im Geburtspool? Was gibt dir Sicherheit?
  • Schmerzbewältigung: Atemtechniken, Wärme, Bewegung, TENS, Aromatherapie, Wasser. Bei Bedarf ist auch Lachgas (N₂O) möglich, wenn deine Hebamme es anbietet.
  • Geburtspositionen: Aufrechte Positionen werden in der S3-Leitlinie 015-083 ausdrücklich empfohlen — nutze deine Bewegungsfreiheit zu Hause.
  • Wer ist dabei? Partner:in, Doula, Geschwisterkinder? Halte Rollen und Wünsche fest.
  • Nach der Geburt: Bonding, verzögertes Abnabeln (laut Leitlinie empfohlen), erstes Anlegen, Vitamin-K-Gabe, U1-Untersuchung durch die Hebamme.
  • Verlegungsszenario: Was ist dir wichtig, falls eine Verlegung in die Klinik notwendig wird? Welche Klinik bevorzugst du?

Wann ist eine Verlegung in die Klinik nötig?

Etwa 12–18 % aller geplanten Hausgeburten werden während oder nach der Geburt in eine Klinik verlegt — meist nicht aus Notfallgründen, sondern wegen protrahiertem Geburtsverlauf, Wunsch nach PDA, Erschöpfung oder zur Naht eines Dammrisses höheren Grades (siehe AWMF 015-079). Die häufigsten Gründe sind also nicht dramatisch, sondern Ausdruck verantwortungsvoller Begleitung. Halte in deinem Geburtsplan fest, was dir auch in diesem Fall wichtig wäre.

Hinweis zur Leitlinie: Die S3-Leitlinie 015-083 „Vaginale Geburt am Termin" sieht die informierte, geteilte Entscheidungsfindung („Shared Decision Making") als Kern jeder Geburtsplanung. Du hast das Recht, deinen Geburtsort zu wählen — auf Grundlage einer ausführlichen, ergebnisoffenen Aufklärung durch deine Hebamme oder Ärztin.

📚Quellen & Leitlinien

  • AWMF S3-Leitlinie 015-083 „Vaginale Geburt am Termin"

    DGGG, OEGGG, SGGG — Empfehlungen zu Geburtsort, Betreuungskontinuität und geteilter Entscheidungsfindung.

  • AWMF S2k-Leitlinie 015-079 „Dammriss III. und IV. Grades"

    Empfehlungen zur Vorbeugung, Diagnostik und Versorgung höhergradiger Geburtsverletzungen.

  • QUAG e.V. — Bundesauswertung außerklinische Geburtshilfe

    Jährliche Auswertung von außerklinischen Geburten in Deutschland mit Verlegungsraten und Outcomes.

Hinweis: Diese Informationen ersetzen keine individuelle medizinische Beratung. Besprich deine Situation immer mit deiner Hebamme oder Ärztin.

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